Zappenduster war es sprichwörtlich beim  113. Wettbewerb der Lübecker 12 Kämpfer. Der 12-K Lübeck war zu Gast bei der Blindenschule BZBS im Herzen Hamburgs. Die Disziplin hieß, man mag es nicht glauben: Blindenfussball.

Kein geringerer als der Torschütze des Tor des Monats August 2018 Serdal Celebi wies uns gemeinsam mit dem Cheftrainer  Wolf Schmidt vom FC. St. Pauli  in die Fein- und (Gemein-)heiten des grazilen Blindenfussballs ein. Chapeau.

 

Bereits bei der Einführung war den 12-K klar: Heute zeigt sich, wer den nächtlichen dunklen Gang zur Toilette schlafwandlerisch sicher beherrscht und damit seine Qualitäten zeigen kann. Und was soll man sagen: Der Wiener Neujahrsball der Debütanten war nichts gegen die Grazie und den Charme der wandelnden Toten des Lübecker 12 Kampfes. Aber ungeachtet der eher im Keller angesiedelten Haltensnoten jedes Einzelnen ging es auch oder gerade um ein blindes Urvertrauen, zu sich selbst und in und zu seinen Fähigkeiten sich zu koordinieren aber auch und zu seinen Rufern. Jenen Teammates, die dafür notwendig sind und waren, einem selbst anzuzeigen, wohin man sich orientieren musste und wohin am Ende auch geschossen werden konnte.

Ein in der Saison ungewohnter, jedoch WM-technisch bekannter Kooperationsmodus, der jedoch, soviel sei gesagt, vorzüglich durch die 12-K gemeistert wurde.

Das Event war zweigeteilt, es begann mit Einzelwertungen in Dreierteams  und endete mit mehreren 10-minütigen Spielen im Mannschaftsmodus.  Das Balldrippling mit dem kleinen Schellenball, an dem sich der jeweilige Spieler mit seinem Gehör orientieren konnte oder besser musste, gehörte daher ebenso zu den kurzen Wettbewerben, wie den Freistoß zu üben oder die Bande in einer knappen vorgegeben Zeit so häufig wie nur möglich zu treffen. Hier zeigten die 12-K Lübecks nahezu gleiche Qualitäten, so dass die Mannschaftswertungen der anschließenden Spiele den Ausschlag bringen mussten.

Hier lag das eigentliche Pfund des Wettbewerbs. Die Wertungsspiele, wo Spieler und Rufer, stets neu zusammengewürfelt, eine eigene Chemie zueinander finden mussten, verlangte den 12 Kämpfern Alles ab.

Wie eine Horde buckliger Brotspinnen stolperten die 12-Kämpfer  immer wieder über das kleine Fussballfeld und nahmen dabei sich und die anderen Teammates und Gegner nicht zurück. Ein ums andere Mal rangelten sich die Spieler miteinander verbissen um den kleinen Rasselball. Je körperbetonter das Spiel wurde, desto mehr kamen die Qualitäten des Lübecker 12-K zum Vorschein. Wir Lübecker mögen das Grobe. Leichte Blessuren und Verletzungen, die durch Bandenchecks,  Beinstellen und Bodychecks verursacht wurden, wurden wie selbstverständlich und notwendig hingenommen. Das große Ganze behielt jeder Einzelne im Blick Gehör. Der Kampf stand im Vordergrund.

Hierbei glänzte das Tier, welches bereits in den Einzelwertungen gute Ergebnisse vorweisen konnte, mit 2 wunderschönen Toren, gefolgt von den Neuzugängen Dirk und Tommes, die in die Philosophie des 12-Kampfes der Lübecker Blinden hineinschnupperten. Auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn: Das Tor von Limbo gehörte ebenfalls in die Kategorie sehenswert, auch wenn alle 12-K nicht gegen das Tor des Monats von Celebi anstinkern konnten. Ein sympathischer Bursche, dessen St-Pauli-Treue nicht durch das wohl versehentlich angezogene HSV-Trickot, dass er trug, Schaden nahm. Unter den wachsamen Augen des Cheftrainers, Wolf Schmidt, zeigten die 12-Kämpfer erschreckende …ähem…also Höchstleistungen und Alles in Allem war es eine wunderbare Erfahrung über den eigenen Tellerrand zu blicken hören.

Der Pokal ging am Ende an Das Tier, der seinen Instinkten in der Dunkelheit, die ihn umgab, am Besten folgen konnte. Zurecht kann er nunmehr als der Einäugige unter den Blinden der Lübecker 12 Kämpfer genannt werden.

Wir 12-Kämpfer bedanken uns daher artig beim Fc. St-Pauli für die großartige Erfahrung, die wir gewinnen konnten.

Einen Videoeindruck findest du hier.