Vorhang auf hieß es als Zirkusdirektor ElUffo stellvertretend für Tea die Lübecker 12-Kämpfer in die von ihm eingerichtete Manege rief. Mit einem Beamer hatte er im Großformat Publikum und Zirkuszelt an eine rustikale Backsteinwand geworfen. Eine schöne Kulisse für diesen Abend. Am Ende kam heraus, was den meisten vorher schon klar war: Mikka ist der größte Clown und siegt mit Abstand vor G-Man und Rocket, die sich punktgleich die Plätze 2 und 3 aufteilen.

Der ursprüngliche Ausrichter und Tabellenführer Tea konnte den Abend entspannt auf Hawaii an sich vorbeiziehen lassen: Sein Vorsprung mitten in der Saison war bereits so groß, dass ihn auch in Abwesenheit keiner überholen konnte.

Circus Games oder Stars in der Manege? Ein bißchen von beidem, besonders, wenn die man bedenkt, dass unter "Stars" auch die eine oder andere Diva verstanden werden darf. Es wurde hart gekämpft, viel gelacht, aber die Neuartigkeit der Disziplinen rief gelegentlich dazu auf, die Absicht des Regelwerks und dessen Auslegung im eigenen Fall zu hinterfragen.

Es begann mit der Slackline, die auf kurzer Strecke gespannt, so oft es ging zu überwinden war. Immer, wenn der rettende Baum auf der gegenüberliegenden Seite erreicht war, wurde die aktuell zurückgelegte Entfernung gesichert und addiert. Natürlich ging es auf Zeit. Und in den zur Verfügung stehenden 2 Minuten legten Markolo und Rocket unfassbare 49,50 Meter zurück. Rang drei ging mit 36,30 Meter zwar mit mächtigem Abstand, aber eindeutig an Mikka. Doch wie weiter mit diesen beiden Topweiten!?

Ein Blick ins Regelwerk half: "Bei Streckengleichheit entscheidet das Publikum mehrheitlich, welcher Versuch mehr Anmut hatte." Nun gut - so soll es sein. Und so wurde entschieden. Nach persönlicher Wahrnehmung des gerade Erlebten und individuellem Empfinden von Anmut. Die beiden 12-Kämpfer durften erleben, wie das Schicksal des Artisten am Betrachter in der Manege hängt. Und in diesem Fall war es Rocket, der die Gunst des Publikums erhielt.

Danach ging es weiter mit dem Ein-Ball-Jonglieren. Ein Ball musste hoch in die Luft geschleudert werden. Um ihn so weit wie möglich entfernt vom Abwurfpunkt wieder aufzufangen. Jeder hatte fünf Versuche. Ein Pokerspiel. Beginnt man mit einem Sicherheitswurf, oder geht man gleich in die Vollen? Für die zweite Variante entschied sich Rocco und blieb auch konsequent bei der Risikovariante. Mit dem bitteren Ergebnis am Ende ganz ohne Punkte da zu stehen.

Etwas anders gingen z.B. Markolo, G-Man, Tier oder Mikka damit um, die sich Stück für Stück steigerten. Gerade Mikkas letzter Wurf war nach vier sehr guten Versuchen ein echtes Ausrufungszeichen. Mit 13,37 Metern lag er zwei Meter weiter als der Zweitplatziete G-man (11,18 m) und fast drei Meter vor dem dritten Rocket (10,49 m). Für den aufmerksamen Zuschauer zeichnete diese Reihung bereits mitten am Abend die Silhouette des Podiums wie ein Schattenspiel an das Zirkuszelt.

Das große Finale. Messewerfen. Die Disziplin, die jedem Zuschauer den Schweiß auf die Stirn treibt und den Atem stocken lässt. Doch heute waren die Artisten Träger dieser Symptome. Und daher stand an der Holzwand auch keine junge hübsche Lady, sondern ein hübscher, kleiner Clown, den ElUffo liebevoll aufgezeichnet hatte. Und es galt auch nicht, an ihm vorbeizuwerfen, sondern - im Gegenteil - in voll zu treffen. Am liebsten die Nase, oder den Lolli, für den es besonders viele Punkte gab. Alle Kinder mussten daher zu diesem Zeitpunkt die Manege bereits verlassen haben...

Nach einer kurzen Proberunde hatten dann alle 5 Versuche. Es wurde um die Dramatik aufzubauen immer nur ein Wurf pro Werfer gemacht. Dann kam der nächste. Bis zu diesem Zeitpunkt lagen Mikka (4 Wertungspunkte), Rocket (4) und Markolo (6) vorn. In Lauerposition G-Man (7). Und dann passierte es: Während Mikka runde für Rund die Messer in den Clown schob, wollten Rockets und Markolos Messer einfach nicht stecken bleiben. Nicht ein einziges. So wurde Mikka hier erneut erster, Rocco zweiter und warf sich im dramatischen Stechen mit G-Man auf Rang drei.

Der Abend war gelaufen. Das Publikum spendete viel Applaus und ging zufrieden nach Hause. In Erinnerung bleibt sicher ein phantasievoller Abend und Steinis Rückfrage auf den Hinweis, dass das Stechen in der Disziplin Messer-Jockel entschieden wird: "Wie jetzt, stechen mit Messer?".

 

In der Saison geht es weiter spannend zu. Also, nach Tea. In neuer Folge [Mikka 80, G-Man 80, Markolo 78 und Rocket 77] versuchen die üblichen Verdächtigen ihm bis zum letzten Wettkampftag doch noch irgendwie ein Bein zu stellen. Als nächstes im Schießen.